French Kiss

Dir. Lawrence Kasdan ("Grand Canyon", "Wyatt Earp")
Cast. Meg Ryan, Kevin Kline, Jean Reno, Timothy Hutton
Phot. Owen Roizman ("Havanna")
Prod. Tim Bevan
Prod. Company. Working Title Films
Distr. Elite Film AG
Format. 35mm 1:2.35 (scope)
Sound. Dolby SR

French Kiss ist eine wundervolle romatische Komödie. "Schon wieder eine?", höre ich seufzen. Doch halt! Diese ist mit Bestimmheit besser, als man denkt. Vorhersehbar? Klar, bei einer romantischen Komödie weiss man zu Beginn schon, wer am Ende zusammengehört. Doch die Frage ist nicht wer, sondern wie? Und hier hebt sich French Kiss von seiner diesjährigen Konkurrenz ab (Gott, war While You Were Sleeping in dieser Hinsicht mager). Das Wie ist verdammt gut gelöst, passen die zwei Hauptdarsteller doch bei ihrer ersten Begegnung überhaupt nicht zusammen:

Kate, die überaus neurotische, allergische und phobische Amerikanerin, die Kanadierin werden möchte, trifft Luc, den schelmischen, unrasierten Franzosen mit Schnauz genau dort, wo sie eigentlich nie im Leben freiwillig einsteigen würde: im Flugzeug. Was treibt sie dazu, ihre ungeheure Flugangst zu überwinden ("I get around the way nature intended, in a car") und nach Paris, in die Stadt der Liebe zu fliegen? Genau das - die Liebe. Schon hier brilliert Kevin Kline, indem er mit seinem französischen Charme (der Akzent ist perfekt!) die nervöse Kate total vom Start des Flugzeugs ablenkt. Der ultimate Film für Kline, der allen Erwartungen entspricht. Aber auch die witzige Meg Ryan strahlt schauspielerische Freude aus. Mit ihrer Kurzhaarfrisur sieht sie nicht einmal besonders hübsch aus, aber ihre Intelligenz und charmante Art lassen jeden Besucher am Schluss rätseln, wie ihr Verlobter (Timothy Hutton), ein erfolgreicher Arzt, sie für eine andere (die französische "Godesse" Susan Anbeh) hat verlassen können.

Ryan, die sich mit diesem Film übrigens auch in die Liste der Produzentinnen hat einreihen lassen, ist in ihrem Element. Die Rolle ist ihr wie auf den Leib geschrieben; der Film könnte eigentlich genausogut When Luc Met Kate oder Sleepless In Paris heissen. Und man fragt sich, wieso andere Streifen wie Forget Paris gedreht werden müssen, grinst doch Debra Winger im Trailer zu ebendiesem haargenau wie Meg Ryan. Kaum zu überbieten ist eine Szene im Zuge durch Frankreich, in welcher Kate erst verschiedenste Käsesorten ausprobiert, danach aber den ganzen Speisewagen wissen lässt, wie schlecht es ihr geht: "Spasm! Spasm! SPASM!" (sie hat natürlich eine Lactose-Allergie). Skrupel kannte sie schon in ihrer berühmten "Fake Orgasm"-Szene nicht, glücklicherweise hat sie das nicht verlernt.

Oscar-Preisträger Kevin Kline ist, wie erwähnt, in seiner Rolle als Luc (andere sagen "Ljuk", aber er sagt "Luc") hervorragend. Wie Johnny Depp in Don Juan De Marco einen kastilischen, zaubert Kline einen herausragenden französischen Akzent in seine perfekt getimeten komischen Dialoge. List und Charme eines Bilderbuchfranzosen scheint er zu besitzen (Sie wissen schon: wäre Hugh Grant ein Franzose, hätte er schon längst von der Regierung einen Heldenorden erhalten...).Kline-Fans aufgepasst: Einen Cookie gibt's für jene, die nicht sofort aus dem Kino laufen, wenn die Credits zu scrollen beginnen.

Die übrigen erfreuen sich an vielen komischen Szenen (besonders gefallen hat mir Laurent Spielvogel in seiner kleinen Rolle als Concierge) und Details, von denen Komödien leben. Man beachte nur den Running Gag in Form der immer wieder verpassten Tour d'Eiffel. Köstlich, wie Kate sich eine halbe Sekunde, nachdem die Lichter des Eiffelturms ausgehen, nach ihm umdreht. Selbst Jean Reno (ausgerechnet als Bulle!) ist ein Grund, sich diesen Streifen anzusehen.

Ein Genuss, die Metamorphose der beiden Hauptdarsteller mitzuerleben. Der "French Kiss" ist dabei ein wichtiges, aber nicht das einzige Rad, welches den Komödienmotor am Laufen hält.

Kinostart: Frz. Schweiz, Zürich und Luzern: 1.9., Dt. Schweiz: 8.9.

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R. Michl

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