Aus der Sicht einer spanisch-sprachigen Frau...

Guantanamera

Para los que dominan el idioma español les aconsejamos leer la critica en original.

Die Geschichte, die uns gezeigt wird, spielt im heutigen Kuba.

Die Überführung der sterblichen Überreste der Tante der Hauptdarstellerin (eine junge Universitätsprofessorin) von Guantanamo nach Havanna schafft Platz für allerlei Ereignisse in einem Land, in dem die Bevölkerung täglich unangenehme und schwierige Lagen auf ein spitzfindige Art und Weise bewältigen muss. Das heutige, verarmte Leben in Kuba wird durch das, was vom verlangten reinen und harten Sozialismus noch übrig ist und durch die westliche Politik erschwert.

In dieser spitzfindigen kubanischen Welt begleitet der Zuschauer den Leichenzug und parallel dazu einen Lastwagen und seinen Chauffeur - einem ehemaligen Schüler der Professorin - durch die Provinzen, bis sie in der Hauptstadt der Insel angekommen sind.

Der Film zeigt zwischen gesunder Ironie und einer Ladung Humor die Gefühle der heutigen Kubaner.

Schrittweise und auf eine geschickte und graziöse Art und Weise gleiten die Konvois immer öfter in Situationen, in denen sie sich kreuzen, was zu komischen aber auch wahren Szenen aus dem heutigen Leben der Kubaner führt. Dies lässt ein glückliches Ende ahnen; ein Ende voll von Poesie und Romantik im alten Friedhof von Havanna. Im strömenden Regen finden die beiden Hauptdarsteller ihr Glück - Der ins Lächerliche gezogene Ehemann der Professorin bleibt auf einem Sockel von allen verlassen zurück.

Der Film hat auch einen symbolischen Teil mit viel Poesie. Schon wenn man an das "romance de ciego" denkt, ein Bild das in der spanischen und lateinischen Welt bekannt ist ("cantastorie" auf Italienisch): Ein Blinder singt, mit einer bekannten Melodie, auf dem Marktplatz von Romanzen und Tatsachen, die die Leute hören wollen. Im Film kommt kein Blinder vor, aber wir hören immer die Stimme von einem Sänger, der, die bekannte Melodie des Liedes Guantanamera benutzend, uns auf eine köstliche Art und Weise singend erzählt, wie sich die Hauptszenen vor unseren Augen entwickelten. So geniessen wir den Film doppelt.

Wichtige Symbolik steckt im Zug, der quasi eine Nachricht für den Chauffeur und die Professorin ist: "Steigt jetzt ein, wenn ihr mich verpasst, dann wird es zu spät sein... Der Zug des Lebens hält selten für die Liebe."

Eine weitere symbolische Szene, ist die mit den Blumen, einer roten und einer violetten. Die rote steht für die Leidenschaft und das Leben, für das, was das Schicksal der Professorin, die die Blume gepflückt hat, offeriert. Die violette, die der die Tante der Professorin liebende Mann gepflückt hat, steht für den Ruf des Himmels, seinen bevorstehenden Tod.

Es ist nicht möglich mehr in dieser Richtung zu erzählen, ohne dem Zuschauer die Spannung zu verderben. Diese beiden Beispiele sind die einfachsten für den Beobachter, eine weitere ist z.B. die Szene mit den kleinen Sandwiches, die im Bestattungsinstitut offeriert werden und vom Ehemann der Professorin gierig verschlungen werden...

Dieser Film bleibt lange in der Erinnerung der Zuschauer. In seiner Einfachheit versteckt findet man die grosse Geschicklichkeit und Intelligenz des Regisseurs. Eine gelungene Lektion in Sachen Kino.

Amanda Gross
Übersetzung: Suzanne und Bernhard Seefeld


Filmbeschreibung
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